Ein Blick in "LUMI findet das Glück"

Tauchen Sie ein in eine Welt voller Gedanken und Gefühle über das Glück und freuen Sie sich darüber einzigartig zu sein.
Eine Leseprobe aus  "LUMI findet das Glück".

"Genau das macht das Leben schön, dass nicht alles gleich ist und dass jeder anders fühlt, denkt und ist"

Die Begegnung mit dem Anderssein

Dieses Kapitel, "Die Begegnung mit dem Anderssein", fängt eine wichtige Kernbotschaft ein: 

"Jeder Mensch ist einzigartig".

Wir denken und fühlen unterschiedlich und nehmen die Welt auf unsere eigene Weise wahr. Manche Kinder sind laut und voller Energie, andere ruhig und zurückhaltend. Manche lernen schnell, andere brauchen mehr Zeit.

Aber genau das ist in Ordnung.

Diese Geschichte lädt Kinder dazu ein, sich selbst und andere mit offenen Augen zu betrachten. Sie zeigt, dass Anderssein keine Schwäche ist, sondern Teil dessen, was jeden Menschen besonders macht. Denn niemand muss so sein wie alle anderen, um wertvoll zu sein.

Eine Geschichte über Selbstvertrauen, Akzeptanz und die Vielfalt.

Jedes Kapitel des Buches beschäftigt sich mit einer anderen Kernbotschaft und es lädt Groß und Klein dazu ein darüber zu reflektieren und ins Gespräch zu kommen.

 

Probekapitel

Die Begegnung mit dem Anderssein

Der Weg führte uns an diesem Tag durch eine weite Ebene. Der Boden war fest, fast hart, und zwischen den Steinen wuchsen nur vereinzelt ein paar Gräser. Kein Wind, keine Vögel. Alles wirkte still. Fast zu still.
Ich lief neben Hari her und hörte nur unsere Schritte. Links. Rechts. Links. Rechts.
Dann hörten wir plötzlich ein Rascheln, dann ein Klackern, dann ein schnelles Trippeln.

Etwas schoss an uns vorbei, blieb plötzlich stehen, drehte sich um und lief zurück. Es stolperte, fing sich wieder und begann, wild mit den Armen zu fuchteln.

„Oh! Hallo! Ich kenne euch nicht! Oder? Ich kenne euch doch! Wart ihr schon mal hier? Nein, wahrscheinlich nicht, das hätte ich gemerkt! Oder vielleicht doch? Ja, gestern, oder vor einem Jahr? Oder werdet ihr morgen wiederkommen? Gestern war ein langer Tag. Oder ein kurzer? Kommt darauf an!“

Ich blinzelte. Hari zog eine Augenbraue hoch und sah fragend zu mir herüber.
Vor uns stand ein kleines, zappelndes Wesen mit dünnen Beinen, flatternden Ohren und Augen, die ständig irgendwo anders hinschauten. Seine Zehen wippten, selbst, wenn es stillstand. Seine Arme ließ er hoch in die Luft fliegen, dann nach rechts und links, als zeichnete er Bilder in die Luft.

„Ich heiße Filo“, sagte er schnell. „Oder Fino, oder Filli, oder Fini. Sucht euch einfach einen Namen aus. Ich kann nicht gut stehen, oder sitzen, oder warten. Aber denken, denken kann ich gut. Ausgezeichnet sogar und sehr weit sogar!“

„Das sieht man“, murmelte Hari freundlich.

Filo lachte laut, sogar sehr laut, doch sein Lachen klang unsicher. „Die anderen mögen mich nicht. Sie sagen, ich sei zu viel, zu laut, zu schnell, zu unruhig. Sie sagen, ich soll einfach still sein. Aber das kann ich nicht!“
Filo hielt kurz inne. Nur ganz kurz. Dann zappelte er weiter.
„Auch in meinem Kopf ist es nie still“, fuhr er fort,
„da springen Gedanken herum wie Funken.“

Ich setzte mich auf einen Stein. „Und was machst du mit deinen Gedanken?“, fragte ich.

Filo strahlte. „Ich sammle Ideen! Ich habe immer Ideen! Ich erfinde neue Länder, oder baue Steinschleudern mit denen Steine bis zum Mond fliegen, oder ich klaue dem Regenbogen seine Farben und male damit die grauen Steine an. Und wenn ich abends nicht einschlafen kann, dann starre ich in den Himmel und beobachte, wie dort das Gras wächst.“

„Gras wächst doch nicht am Himmel“, rief ich lachend. Wie konnte Filo nur auf solche Ideen kommen?

Hari setzte sich. „Und warum mögen dich die anderen nicht?“

Filo zuckte mit den Schultern, die gar nicht stillhalten wollten. „Weil ich nicht so bin wie sie. Sie sitzen ruhig, ich nicht. Sie denken langsam, ich nicht. Sie mögen Ordnung, und ich bringe gerne alles durcheinander.“

Ich spürte etwas in mir. Etwas Bekanntes. „Ich glaube“, sagte ich vorsichtig, „dass man dich vielleicht nicht versteht. Aber das heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.“

Filo hielt inne. Diesmal ein wenig länger. „Meinst du?“

Hari nickte. „Nicht jeder kann ruhig sitzen. Aber auch nicht jeder hat so gute Ideen wie du oder kann andere zum Lachen bringen.“

Filo schaute uns ungläubig an, vom einen zum anderen, rechts links, rechts links.

„Weißt du?“, fügte ich hinzu, „wenn keiner Ideen hätte, dann gäbe es auch keine Erfindungen, keine neuen Wege, nichts Überraschendes.“

Filo atmete tief ein.

Seine Füße wippten noch immer, aber etwas weicher.
„Dann ist meine Unruhe vielleicht gar kein Fehler“, sagte er leise.

Ich lächelte. „Ja. Es ist kein Fehler. Du bist gut, so wie du bist.“

Filo sprang auf. „Dann muss ich weiter! Ich habe gerade eine Idee! Vielleicht sogar zwei! Oder drei! Ich muss los! Oder morgen! Oder später! Nein, besser gleich!“
Er winkte hastig, rannte los, stolperte, fing sich wieder und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Ich schaute ihm lange nach. „Ein besonderes Wesen!“, sagte ich nachdenklich. Filo war irgendwie anders, aber sind wir nicht alle anders? 

Hari nickte.

Wir gingen weiter. Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Wir liefen einfach nebeneinander her, Schritt für Schritt. Ich dachte noch lange an Filo, an unser Gespräch und an das Anderssein. Wie wäre es wohl, wenn wir alle gleich wären?
Gleich groß, gleich laut, gleich mutig.
Wenn jeder das Gleiche denken, fühlen und tun würde.
Für einen Moment stellte ich es mir vor.
Es wäre ruhig.
Vielleicht sogar einfach.
Auch ein wenig leer.
Niemand würde Fragen stellen,
weil jeder die Antwort kennen würde.
Niemand würde staunen, weil es nichts Neues zu entdecken gäbe.
Und vielleicht würden wir auch nichts voneinander lernen.
Keiner hätte neue Ideen oder überraschende Gedanken.
Es gäbe keine Wunder.
Vielleicht war es genau das, was das Leben spannend und schön machte,
dass nicht alles gleich war und dass jeder anders fühlte, dachte und war.

Ich war zufrieden, denn es war gut, anders zu sein.